Ich bin jetzt Flevonaut ;-)

Ralf Stofer Flevo 02
Flevonauten versuchen im Liegen Fahrrad zu fahren und dabei mit den Füßen zu lenken und gleichzeitig zu treten.

Wer schon Fahrrad fahren kann, fängt mit einem Flevobike nochmals bei absolut 0 an.

Dafür darf der Flevoschüler ein ganz besonderes Glücksgefühl aus der Kindheit wiederleben.

Dieses einzigartige gribbeln im Bauch wenn man früh morgens aufwacht, nachdem man am Tag zuvor zum ersten Mal ohne Stützräder Fahrrad gefahren ist.

Flevonauten üben häufig Wochen oder Monate, bevor sie mit dem Flevobike einigermaßen fahren können und sich in den Straßenverkehr trauen.

(Flevo ist übrigens der Name des holländischen Ortes an dem das Flevobike erfunden wurde).

Niemand kann genau erklären, wie das mit dem Flevofahren genau funktioniert. Jeder der es fahren kann beschreibt es ein bisschen anders.

Viele Beschreibungen hören sich an, als kämen diese direkt aus einem der Harry Potter Bücher.

Das Flevobike lässt sich unter keinen Umständen den Willen des Flevonauten aufzuwingen. Wenn man das versucht, macht das Flevo das Gegenteil von dem was der Flevonaut vor hat.

Wenn man erst mal das Anfahren gelernt hat (gefühlt dauert es 1000 Versuche) ist es am Besten man überlässt dem Flevo die Entscheidung in welche Richtung es fährt.

Das Flevo hat nämlich keine Lenkung wie ein anderes Fahrrad. Stattdessen hat es ein Knickgelenk in der Rahmenmitte.

Der Fahrer (Flevonaut) steuert das Flevobike mit den Pedalen, mit denen er gleichzeitig tretet. Die Lenkstange dient nur zum Gangschalten und Bremsen. Versucht man über die Lenkergriffe, das Flevobike zu steuern, fährt es überall hin, nur nicht da hin wo man will.

Wenn man seinen Geist vollkommen frei macht und in vollkommener Gelassenheit pedalliert scheint das Flevo auf einmal zu merken wo man hin möchte und steuert automatisch genau da hin.

Das löst dann sofort den Reflex aus, das Flevo steuern zu wollen und die gerade erlebte Magie ist schlagartig wieder weg.

Dieses Spiel geht solange hin und her, bis die Phasen der gedankenfreien Präsenz im gegenwärtigen Augenblck immer länger werden und das Flevo immer präziser seinen Weg selbst findet.

Flevo-Feeling ist Flow-Feeling. Genau wie beim Surfer, wenn er die perfekte Welle erwischt und vollkommen mit seinem gegenwärtigen Tun und den Elementen um sich herum verschmilzt.

Achtsamkeit, Zeitlosigkeit, Anstrengungslosigkeit und magisches Fliesen kennzeichnen diesen Zustand.

Der Surfer bewegt sich und reagiert in Echtzeit. Sein Geist ist frei von allem Denken und er nimmt alles zu 100% wahr, was um hin herum passiert (Achtsamkeit). Er verspürt keine Anstrengung bei anhaltender Höchstleistung und kann so weit über seine Grenzen hinaus gehen. Alles fliest automatisch ineinander (magisches Fließen), wie beim Freestyle Rapper oder Buchautor, wenn er sich in einem Flow-Zustand befindet.

Dieses Flow-Feeling ist die Faszination und die Belohnung für Surfer, Snowboarder, Extrem- und Kampfsportler, Extrem-Mountainbiker etc. und natürlich Flevobike-Fahrern.

Aber wer will in unserer Zeit der unmittelbaren Wunscherfüllung (Amazon, EBay und Co.) Monate lang trainieren, um das wunderbare Gefühl von einer neu erlernten Fähigkeit zu empfinden, mit dem er als Kind tagelang über dem Boden schwebte?

Wenn Du das weltfremd nennst, bin ich gern ein Weltfremder – Sarah Lesch

Keep Flowing

Ralf Stofer

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